Schule der Zukunft? Gymnasium für alle?

Ein "Gymnasium für alle"?
Die SPD konnte sich bisher nicht mit dem "Zwei-Säulen-Modell" ihrer Bildungssenatorin anfreunden. 
Der Zentralelternbeirat will die "Schule für alle" 2013 - gegen den Elternwillen der Gymnasien
von Klaus Wolschner, taz bremen  24.05.2008 
Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) ist mit ihren schulpolitischen Vorstellungen 
unter Druck geraten. Nach der SPD-Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen (AfB) hat nun 
auch der Landesvorstand der SPD ihre Positionierung für ein "Zwei-Säulen-Modell" etwas 
distanziert nur "zur Kenntnis genommen" und an den Koalitionsvertrag erinnert. Parteichef 
Uwe Beckmeyer sei etwas laut geworden, wird erzählt, weil er die bildungspolitischen Ziele 
"seiner" Senatorin aus der Zeitung erfahren habe. Am Wochenende soll der 
Koalitionsausschuss das Thema beraten. Im Hinblick darauf hat die CDU in einem Brief an 
SPD und Grüne ihre Bereitschaft zu einer "überparteilichen Einigung" auf ein Zwei-Säulen-
Modell unterstrichen. 
Anja Stahmann, Bildungspolitikerin der Grünen, plädiert derweil für eine gründliche 
Beratung. Der Koalitionsausschuss werde nur festlegen, dass im Oktober jeweils 
bildungspolitische Parteitage bei SPD und Grünen stattfinden sollen. So viel Zeit für die 
fachliche Beratung soll sein.
Der Zentralelternbeirat (ZEB) hat derweil einen Vorschlag "Schule der Zukunft" vorgelegt, 
der sehr viel mehr Geld für Bildung, vom Kindergarten an, einfordert und gleichzeitig in einer 
langfristigen Planung die "Schule für alle" vorsieht: "Ab dem Schuljahr 2013/14 werden die 
Kinder nicht mehr in verschiedene Schulformen sortiert." Ob das dann "Schule für alle", 
Gesamtschule, "Oberschule" oder "Gymnasium für alle" genannt werde, sei egal, sagt ZEB-
Sprecherin Imke Moebus. 
Auch die Vertreterin der Gymnasien im ZEB, Imke Kuhmann, hat diesem Papier zugestimmt. 
"Ich möchte jetzt aber nicht morgen in der Zeitung lesen, der ZEB will die Gymnasien 
abschaffen", erklärt sie. Der ZEB habe eine "Vision" beschrieben, und die Zeitplanung sei so 
langfristig angelegt, dass alle Schulen sich darauf einstellen können. 
Wer regiert im Jahre 2013/14 in Bremen? "Das sehen wir dann", sagt sie. Imke Kuhmann sitzt 
für die CDU im Beirat Schwachhausen. Auch bei den Gymnasien, die Imke Kuhmann vertritt, 
trifft die ZEB-Position auf Kritik. Das ZEB-Papier sei in einem kleinen Kreise formuliert und 
nicht mit den ElternvertreterInnen der Schulen besprochen worden, sagt Uli Graf, der für das 
Alte Gymnasium im ZEB sitzt. Auch er sei nicht vorher gefragt worden. Er hält die "Schule 
der Zukunft" für eine realitätsferne "Luftblase", einen "schönen Traum". Auch in der 
Vergangenheit habe man so auf Gesamtschulen gesetzt - "warum hat das nicht geklappt?"
Ausgerechnet ein CDU-Vertreter im Beirat Schwachhausen, Gerhard Scherer, hat am 
Donnerstag eine Gesamtschule für Schwachhausen vorgeschlagen - das Gebäude der alten 
"Oberschule am Barkhof" könne dafür genutzt werden, sagte Scherer. Im Bildungsausschuss 
des Beirates Obervieland hat Otto Bothmann, Schulrat der Bildungssenatorin, erklärt, am 
liebsten sehe er es, wenn das Schulzentrum Habenhausen zu einer Gesamtschule würde. Auch 
dem Gymnasium Obervieland empfahl er, sich in eine Gesamtschule aufzulösen - was nicht 
ganz der Vorgabe der Senatorin entspricht, acht Gymnasien zu erhalten. Daraufhin haben die 
Elternvertreter am Gymnasium Obervieland am vergangenen Montag einhellig per Resolution 
beschlossen, dass ihre Schule als durchgängiges Gymnasium erhalten bleiben soll. 
Elternsprecher Bernd Nehrhoff kennt die "Vision" des ZEB nur aus der Zeitung: "Die kochen 
da ihren eigenen Brei", sagt er. Die zentralen Elternvertreter fragen nicht einmal die 
Schulelternsprecher, bevor sie eine Grundsatzposition formulieren. 
 


		  

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